follow your dreams…

Meine Weiterbildung im Rückblick und der aktuelle Stand der Dinge…

Schon lange habe ich euch versprochen, über meine Weiterbildung zu berichten. Ziel: Bäuerin mit Fachausweis. Zwei Jahre gingen vorbei wie im Flug – die Prioritäten lagen in dieser Zeit nicht beim Blog schreiben. Und wenn ich mal Zeit gehabt hätte, hatte ich womöglich einfach keine Lust…

Wie ihr wisst, bin ich auf dem Bauernhof aufgewachsen – als Kind und Teenie habe ich die schönen und heissen Sommertage, an denen ich beim Heuen helfen musste oft „verflucht“. Ferien am Meer, war nicht – das habe ich aber mehr als nur nachgeholt und nachträglich bin ich dankbar so aufgewachsen zu sein. Den Sommer auf der Alp, den Umgang mit der Natur und den Tieren. Ich habe gelernt zu arbeiten, vielleicht auch manchmal zu verzichten und ich weiss woher die Lebensmittel kommen – ja ich bin mittlerweile stolz auf meine Kindheit und dem Wissen, dass mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben haben. In den letzten Jahren wurde mir immer mehr klar, dass ich den Hof gerne weiterführen möchte. Das hat bestimmt auch mit der Umstellung von Milchkuh- auf Milchschafhaltung zu tun. Ich liebe unsere Schafe einfach! Ja es sind 365 Tage im Jahr Arbeit, man ist nie fertig und wenn man nicht einen Punkt setzt und Feierabend macht, gibt es keinen – reich wird man dabei meist auch nicht gerade aber glücklich! Es ist ein Stück Freiheit und heutzutage ein Privileg Land zu besitzen.

Aber erst muss ich den benötigten Abschluss in der Tasche haben und die nötigen Qualifikationen vorweisen können.

Der Abschluss Bäuerin mit Fachausweis kann Vollzeit oder so wie ich das gemacht habe berufsbegleitend abgeschlossen werden. Zwei Jahre dauert sie und besteht aus 9 Pflichtmodulen und mindestens 2 Wahlmodulen, welche jeweils mit einer Modullehrzielkontrolle (MLZK) abgeschlossen und bestanden werden müssen. Anschliessend kann man sich für die Bäuerinnenprüfung anmelden. Dies ist zudem erst möglich sobald man über genügend Praxis in einem bäuerlichen Haushalt verfügt (Nachweis der Praxiszeit).

In den letzten zwei Jahren, respektive von Juni 2020 bis April 2022 habe ich jeden Mittwoch die Schule auf dem Hondrich besucht, in einem Helikopterunternehmen und in meinen freien Tagen auf dem Hof meiner Eltern gearbeitet (Auszeit für den Kopf und Praxiszeit aufbessern). Die Zeit verging wie im Flug und ich konnte am 6. April 2022 meine Urkunde entgegennehmen und mich bereits für die Bäuerinnenrprüfung. welche Ende Monat stattfindet anmelden.

Wir waren 20 Frauen aufgeteilt in zwei Klassen. Ein eingeschweisstes Team mit dem gleichen Humor, vielen Visionen für die Zukunft und Freude an dem, was wir machen.

Nachfolgend einen Einblick in die verschiedenen Module.

Reinigungstechnik & Textilpflege | waschen & putzen

Waschen und Putzen kann jeder, dachte ich mir auch – aber ich konnte noch so viel dazu lernen. Dieses Modul hatte es in sich und vieles hat man „jahrelang“ grundsätzlich falsch gemacht oder Gewohnheiten entdeckt, die einem gar nicht bewusst waren. Ich lernte die Inhaltsstoffe von Reinigungs- & Waschmittel und ihre Auswirkung auf Mensch, Natur und Abwasser kennen. Holzböden reinigen, Keramik, Chromstahl, alles was ein Haushalt und eine Wohnung an Materialien bietet, lernten wir umweltbewusst, effizient und korrekt zu reinigen und zu pflegen. Putzlappen ist auch nicht gleich Putzlappen. Für jeden Dreck für jeden Untergrund gilt es das korrekte Putzmittel und Lappen zu wählen, jedoch die Umwelt immer im Hinterkopf zu behalten. Es braucht nicht für alles ein separates Putz- oder Waschmittel. Ein Grundsortiment genügt in jedem Haushalt. Bei einer Exkursion ins Möbelhaus konnten wir die verschiedenen Bettdecken, Federn, Dauen etc. kennen lernen. Konnten uns an einem Nachmittag mit einer Floristin kreativ verwirklichen und mit frischen Blumen aus dem Schulgarten Kränze und Sträusse binden. Flicken und Nähen stand ebenfalls auf dem Programm – alles was eine Bäuerin oder generell eine Hausfrau können muss oder sollte…

Mit Maske und bei gefühlt 40 Grad ging es dann im Sommer 2020 bereits an die erste Prüfung. Ich musste eine Hose flicken, zwei Chromstahlwagen reinigen, ein weisses Hemd bügeln und natürlich das theoretische Wissen in 45min. zu Papier bringen.

Viel gelernt aber trotzdem froh, das Modul abgeschlossen zu haben.

Heiter ging es weiter und während den Wintermonaten haben wir uns mit den Modulen Recht, Buchhaltung und Produkteverarbeitung beschäftigt. Meine kaufmännische Ausbildung liegt schon ein paar Jahre zurück und die landwirtschaftliche Buchhaltung und das landwirtschaftliche Recht sind nochmal ein anderes Level. Am Vormittag jeweils eher trockene Materie und am Nachmittag ab in die Küche. Einmachen, Sterilisieren, Trocken, Dörren, Backen.

Die Prüfungen im Modul Recht und Buchhaltung habe ich im Dezember 2020 abgeschlossen und das Modul Produkteverarbeitung im April 2021.

Milchverarbeitung, ein weiteres meiner Wahlmodule stand anschliessend auf dem Programm. Das Inforama Hondrich hat eine eigene Schulkäserei und wir hatten die einmalige Chance den Unterricht dort zu besuchen und nicht wie an anderen Standorten in der Schulküche. Es war mein Lieblingsmodul. Ich habe den Alpsennenkurs besucht und mit dem erreichten Abschluss bin ich soweit ausgebildet dass ich auf einer Alp Käse herstellen könnte. Da mein Papi ausgebildeter Käser ist und wir in den Sommern auf der Alp auf Käse herstellt haben, konnte ich bereits viel Wissen mitbringen und meine Kindheitserinnerungen wieder aufleben lassen. Bergkäse, Mutschli, Raclette, Joghurt, Quark, Frischkäse, Mascarpone, Nidletäfeli – das volle Programm und in den Pausen alles fleissig degustieren. Die kalten Wintervormittage in der warmen Käserei, waren ein richtiges Highlight für mich.

Die Prüfung von diesem Modul war nur schriftlich. Nach 45min. und gefühlsmässig durchgefallen, war ein weiteres Kapitel abgehackt und durchgefallen bin ich im Übrigen bei Weitem nicht.

Ernährung & Verpflegung – ein sehr spannendendes Thema, welches mich sehr interessiert. In den letzten drei Jahren war ich ja nicht als Flugbegleiterin unterwegs und da wäre es ja grundsätzlich möglich, gewesen regelmässig, ausgewogen und gesund zu kochen und zu essen – aber ja einfacher gesagt als getan. Da habe ich auf jeden Fall noch Luft nach Oben… Für den Modulabschluss mussten wir ein Dossier verfassen mit einer vorgegebenen Betriebszweig und der entsprechenden Familiensituation. Ein Menuplan für eine Woche erstellen, auf die verschiedenen Ernährungsgruppen Bezug nehmen, eine Kostenberechnung sowie einen Arbeitsplan erstellen und die entsprechenden Einkäufe für das Prüfungsmenu erledigen. Ich war so unendlich froh als es am 23.03.2022 endlich 17h00 war und ich mein Prüfungsmenu servieren konnte und mir ein riesen Stein vom Herzen fiel…

Gartenbau. Schon als kleines Mädchen war ich immer mit dem Mami im Garten und hatte damals bereits meinen eigenen, kleinen Garten. Also die Basics waren vorhanden aber definitiv noch ausbaubar. Ökologie, Biologie, Säen, pikieren, umtopfen, zurückschneiden, ernten, Pflege der Pflanzen, Bodenarten beurteilen und entsprechend verbessern, die Funktion vom Regenwürmern, Nützlingen, Schädlingen und und und – ein sehr komplexes Modul. Das gelernte konnte ich aber direkt in Mamis- oder meinem Balkongarten umsetzen.

Rindviehaltung war ein weiteres meiner Wahlmodule. Ich habe mich ja schon lange für die für Schafe entschieden, ich liebe sie einfach. Das Modul Schafhaltung hat leider nicht in meinen dichten Plan gepasst und steht somit auf dem Programm für später. Da ich aber mit Kühnen aufgewachsen bin und wir auch heute noch zwei Mutterkühe mit Kälbern auf dem Hof haben, habe ich mich last minute für das Modul Rindviehaltung entschieden und es definitiv nicht bereut – es war super spannend. Stallvisite mit dem Tierarzt, Besuch eines Mutterkuhhofes, Inspizieren eines Kuheuters, Gelenke, Knochen, Funktionen etc. Es war ein sehr praxisnahes und abwechslungsreiches Modul.

Im Modul Familie & Gesellschaft haben wir uns mit Generationenkonflikten, Kommunikation, Präsentationstechniken und vielen weiteren Themen beschäftigt und auch hier konnte ich viel für die Zukunft aber auch für mich persönlich mitnehmen. Das Modul wurde mit einer mündlichen und einer schriftlichen Prüfung abgeschlossen.

Haushaltführung. Dort ging es um Zeit- & Stressmanagement, Anschaffungen- / Reparaturen von Haushaltsgeräten, Planung und Einrichten der Küche, Hauswirtschaftsräumen, Farbe, Licht und Wohnen allgemein. Viele lehrreiche und interessante Themen, welche mir für die kommenden Projekte sicher hilfreich sein werden.

Die landwirtschaftliche Betriebslehre hat uns im letzten Teil der Ausbildung noch beschäftigt. Agrarpolitik, Agrargeschichte, Hofübergabe-/Übernahme, Investieren, Finanzierungsberechnungen, Tragbarkeitsrechnungen, soziale & wirtschaftliche Aspekte, Marktstrukturen, Pachtrecht und vieles mehr. Die meisten Inhalte werde ich in naher Zukunft nochmal antreffen.

Was für eine „befreiender“ Tag der 6. April 2022 war. Nach den arbeitsamen letzten beiden Jahren und dem sehr stressigen März endlich die Urkunde in den Händen zu halten und auf die unvergessliche Zeit anzustossen!

In den Sommermonaten hat mich nun die Projektarbeit zum Thema Schafmilch auf Trab gehalten. Die sonnigen und heissen Sommertage und die viele Arbeit auf dem Hof, haben mich nicht gerade motiviert am Laptop zu sitzen und in die Tasten zu hauen. Unzählige Stunden habe ich schlussendlich investiert und bin stolz und habe Freude am Endergebnis.

Anschliessend habe ich mir erstmal ein paar Wochen „lernfrei“ gegönnt. Nach einem letzten prüfungsvorbereitenden Kurs im September arbeite ich zurzeit an meiner Präsentation und ackere nochmals die gewählten Module Milchverarbeitung, Ernährung & Verpflegung sowie Haushaltsführung durch, bevor es am 29. Oktober, ein hoffentlich letztes Mal ans Eingemachte geht.

Die Abschlussprüfung besteht aus zwei Teilen. Die Präsentation der Projektarbeit mit anschliessenden Fragen und dem zweiten Teil, welcher aus einem Fallbeispiel besteht, das mit den gewählten Modulinhalten abgearbeitet und ebenfalls mündlich präsentiert werden muss.

Die Module Schafhaltung, Futter- & Ackerbau sowie Mechanisierung werde ich nach Abschluss des Fachausweises aus persönlichem Interesse noch besuchen, um auch hier zumindest ein Grundwissen für meinen zukünftigen Hof und meine Tiere aufweisen zu können.

Für diejenigen, welche es verpasst haben: Ich fliege übrigens seit dem 01.04.2022 wieder – some girls are just born with the sky in their souls! ❤

Das Zurücklassen meiner Helikopterfamilie und meinen Bürojob war trotz meiner Freude auf den neuen Job nicht leicht. Man könnte sagen, die Kündigung fühlte sich an, wie eine Trennung. Aber auch hier einmal mehr —> follow your dreams und meine „Helikopterfamilie“ und Freunde fürs Leben sind mir glücklicherweise geblieben! ❤

Mehr dazu vielleicht in einem weiteren Beitrag – aber eins nach dem anderen!

do what you love!

Hier ein paar bunte Impressionen von meinen „Mittwochen“ 🙂