sechs Jahre war ich als Flugbegleiterin unterwegs. Vier Jahre ab Bern (BRN) und die letzten zwei ab Zürich (ZRH). Doch das Heimweh wurde in letzter Zeit immer stärker – auch am schönsten Strand der Welt…
“And suddenly you know: It’s time to start something new and trust the magic of beginnings.”
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Mir hat dieser Job, das Fliegen wirklich viel Spass gemacht, wenn dem nicht so wäre, hätte ich in den letzten sechs Jahren wohl etwas falsch gemacht. Ich habe so unglaublich viele tolle Momente erlebt, so viele Länder, Städte und Orte gesehen, was sonst in dieser kurzen Zeit fast nicht möglich ist und das Beste: ich wurde bezahlt dafür. Ich habe mich persönlich besser kennengelernt, mich weiterentwickelt und auf eine Weise auch zu mir selber gefunden. Dieser Beruf kann eine Lebensschule sein, wenn man denn auch Augen und Ohren offen hält. Es war mein Traum, nach vier Jahren bei einer kleinen regionalen Airline noch auf „grossen Flugzeugen“ um die Welt zu fliegen – ein Leben zwischen Jetlag und Jetset zu führen. Diesen habe ich mir erfüllt. Ich konnte alle Langstrecken Destinationen aus dem Flugplan mindestens einmal besuchen, mich beruflich weiterentwickeln und bin unglaublich dankbar dafür. Man soll aber nie aufhören zu träumen und auch Träume und Lebensziele können sich ändern. Vor ein paar Monaten oder immer mal wieder kam bei mir ein Wunsch nach Veränderung. Erst dachte ich mir, es ist eine Phase, die hat jeder, bei jedem Job irgendwann mal. Doch ich hatte einfach keine Lust mehr, weder auf dieses unstetige Leben, die Passagiere, den Jetlag, die wenigen freien Tagen zuhause, die vollgeplant waren, noch darauf, mich jedes Mal bei einer neuen Crew vorzustellen, wieder den Koffer zu packen, wieder zwei Stunden im Zug zu sitzen oder im Stau zu stehen. Ich war irgendwie nur noch müde und ausgelaugt. Ich verschloss Augen und Ohren, freute mich immer darauf, bald wieder Zuhause zu sein. Mir wurde nach und nach klar, was mir wirklich wichtig ist im Leben, wohin ich will und was ich mir für meine Zukunft wünsche – der Abschied vom zuhause fiel mir immer schwerer, zum Schluss manchmal auch unter Tränen.
Mir lag die Welt zu Füssen – aber was ich wollte, war nach Hause ❤
Die schönen und tollen Seiten von meinem Job habt ihr alle mitbekommen, denke ich. 🙂 „Ah so schön, du fliegst schon wieder an die Sonne“ (es hat auch an traumhaften Destinationen geregnet), „oh da wollt ich auch schon immer mal hin“. „Du hast schon wieder frei oder Ferien“, so nach dem Motto #foreveronvacation, „ach das Hotel sowie der Transfer vom und zum Flughafen wird organisiert und bezahlt, du kriegst Spesen um am Pool oder Strand zu liegen?!“. Wir hatten auch immer und überall wunderschöne, tollgelegene Hotels – ja Flugbegleiterin ist ein Traumjob, – war es für mich auch, aber eben war! Am Anfang konnte ich problemlos nach einem 12 Stundenflug mit einer Zeitverschiebung von 9 Stunden auch noch mit dem Auto nach Hause fahren, habe meine 8 Stunden geschlafen und war wieder fit, habe den Haushalt geschmissen, geputzt, gewaschen, gepackt, Freunde getroffen und mindestens auch noch einen Tag auf dem Hof der Eltern mitgearbeitet, dem war leider in letzter Zeit nicht mehr so, ich schaffte nicht mehr alles unter einen Hut zu bringen – irgendwie ausgepowert fühlte es sich an. Immer öfter habe ich die freien Tage zuhause frierend und schlafend auf dem Sofa verbracht und nur noch das Nötigste erledigt – mein Privatleben, meine Beziehung, meine Familie, Freunde alles kam irgendwie zu kurz. Das Pendeln von meiner WG in Zürich nach Hause nach Bern, dass jedesmal mindestens 2 Stunden dauerte oder noch länger (danke SBB) konnte ich irgendwann auch kaum mehr ertragen. Die Reise mit dem Auto noch weniger (danke A1 und Gubrist). Einen Umzug nach Zürich, leider nein, da ist mir mein Zuhause, meine Lieben, der Bauernhof, die Schafe, die nebelfreie Zone, die Natur und die Berge viel zu wichtig. Aber all das Gejammer wäre unnötig und irrelevant, hätte mir der Job noch Spass gemacht. Ich fand irgendwie keine Erfüllung mehr in meinen täglichen Aufgaben. Ich arbeite wirklich gerne und auch mehr als verlangt, aber als ich mich anfangen musste, vor fast jedem Flug so richtig zu motivieren und trotzdem keine Lust hatte, war der Fall klar, time to say bye bye weite Welt – time to go home! Ich hatte keine Lust mehr mich um die „Probleme“ der Passagiere zu kümmern, ich hatte genug von den Diskussionen mit den Gästen, welche oft auch meinen Job viel besser machen konnten und sich selbstverständlich mit den Sicherheitsvorschriften und Gegebenheiten in einem Flugzeug viel besser auskannten als ich… vielleicht schaffe ich es in Zukunft noch ein Buch zu schreiben mit den besten Anekdoten aus meiner fliegerischen Karriere… :). Wir hatten selbstverständlich auch wundervolle Gäste, die sich über unseren persönlichen Service, unser leckeres Essen (ja das gibt es auch im Flieger) 🙂 und das „Little Extra“ gefreut haben und unsere Betreuung an Bord geschätzt haben oder sogar mit einem handgeschriebenen Gästefeedback nochmals verdankt haben.
Irgendwann, nach einigen sowieso schlaflosen Nächten stand der Entschluss fest – ich kündige! „einfach so“ auch wenn ich noch keine andere Stelle habe, geschweige denn weiss, was genau ich arbeiten möchte. Klar habe ich mir in den letzten Monaten viele Gedanken gemacht, was ich in meinem Leben beruflich noch machen möchte und hatte mittlerweile auch Pläne, Vorstellungen und Wünsche…
Und dann? Kaum war die Kündigung abgeschickt, wurde mein Leben irgendwie wieder leichter und inspiriert. Ich freute mich auf die kommenden Destinationen, die ich noch besuchen durfte, genoss bewusst nochmals alle Privilegien, die ich hatte mit grosser Vorfreude auf mein „neues Leben“. Ja ich hatte auch Zweifel, ob die Entscheidung, einfach zu gehen richtig war?! In solchen Momenten erinnerte ich mich an die Gefühle der letzten Zeit, die Momente des Abschieds, die mir immer schwerer fielen, an die weniger schönen Flüge und Momente und wie mein Körper immer mehr am Limit war und habe die Entscheidung bis jetzt nicht bereut. Flight Attendant ist kein normaler Job, es ist ein Lifestyle und somit kündigte ich nicht nur meine Arbeitsstelle sondern entschied mich auch bewusst für ein komplett anderes Leben. Die befürchteten Tränen oder der „grosse Zusammenbruch“, wenn es dann soweit ist und ich zum letzten Mal in Uniform aus dem Flugzeug aussteige, blieben aus – Ja klar, es war ein komisches Gefühl das letzte Mal die Sachen im Hotel zu packen (da habe ich kurz das eine oder andere Tränchen vergossen), das letzte Mal die Uniform anziehen, das letzte Mal dies, das letzte mal das zu machen aber ich hatte eine supertolle Crew und einen sehr angenehmen letzten Heimflug und die die Vorfreue auf den neuen „Lebensabschnitt“, war grösser und da ich sonst auf Ereignisse dieser Art relativ emotional reagiere, war das Ausbleiben der Tränen beim Aussteigen und Verabschieden der Kolleginnen & Kollegen und später bei der Uniformagabe eine weitere Bestätigung, dass meine Entscheidung richtig war.
Jede/r der sich überlegt, Flugbeleiter/in zu werden, soll es unbedingt machen. Es ist eine einmalige Zeit und wenn es einem nicht mehr gefällt, kommt was Neues. Man muss einfach Vertrauen ins Schicksal und seine Fähigkeiten haben. Falls Ihr Fragen habt zu diesem Traumjob, Tipps, Tricks oder Ratschläge braucht – dürft Ihr euch gerne bei mir melden 🙂
Ich möchte mich hier auch bei allen wunderbaren Menschen bedanken, die ich kennenlernen durfte und mit denen ich unvergessliche Momente und Arbeitstage erleben durfte, jene die schier endlos scheinende Nachtflüge erträglicher gemacht haben. Ohne euch wäre meine „Weltreise“ nicht das selbe gewesen. „Danke tausend“ an meinen Schatz & meine Lieben, meine Freunde zuhause, die immer für mich da waren, egal in welcher Zeitzone ich unterwegs war. Ihr habt oft auf mich verzichtet, hattet Verständnis, wenn ich müde war und nichts mehr unternehmen wollte oder bei wichtigen Anlässen mal wieder am andern Ende der Welt verweilte – ohne die Unterstützung von euch, wäre das alles nicht möglich gewesen – ihr habt mich vor zwei Jahren ziehen lassen und jetzt habt ihr mich wieder zurück ❤
und wie Ihr unten auf der Weltkarte sehen könnt, sind noch einige Destinationen mit Ihren Berichten und Fotos ausstehend – freut euch drauf! Ich freu mich selber, dass ich hoffentlich jetzt mehr Zeit habe zum Schreiben und so auch noch in Erinnerung schwelgen kann – MEMORIES will last forever!
all you have is now! denke daran, mache einfach das, was dir Freude macht und wovon du träumst!
trust the magic of new beginnings ❤

Das waren meine sechs Jahre around the world (Europa ist mit den Jahren etwas unübersichtlich geworden 🙂


